Hersfelder Kreisbahn

In Erinnerung an die Bahnstrecke zwischen den Flüssen " FULDA " und " WERRA "

3 "Fulda" - 4 "Werra"

Henschel-Typ Bismarck lautet der Name von dreiachsigen Dampflokomotiven, die Henschel & Sohn für Privat- und Werksbahnen entwickelt hatte.

Die Konstruktion basiert auf den Lokomotiven der preußischen Gattung T 3. Die Lokomotiven vom Henschel-Typ Bismarck sind jedoch stärker ausgeführt und technisch weiterentwickelt.

Es handelt sich um dreiachsige Nassdampf-Tenderlokomotiven der Achsfolge C. Die Lokomotiven besitzen zwei Zylinder, die vor der ersten Achse liegen und auf die mittlere Kuppelachse wirken. Als Steuerung findet eine außenliegende Heusinger-Steuerung mit Flachschieber Anwendung. Zur Speisewasserversorgung sind zwei Dampfstrahlspeisepumpen der Bauart Willigens vorhanden. Der Wasservorrat ist in einem Rahmenwasserkasten unter dem Kessel untergebracht; die Kohlenkästen befinden sich links und rechts der Feuerbüchse vor dem Führerhaus. Davor befinden sich jeweils ein Einfüllstutzen für den Wassertank.

Die Federn der beiden vorderen Radsätze sind mit Ausgleichshebeln oberhalb des Umlaufs verbunden.

Da es sich dabei um eine Grundbauart handelte, deren Aufbau in einem gewissen Maß individuelle Kundenwünsche zuließ, und die Firma Henschel & Sohn diesen Loktyp über mehrere Jahrzehnte anbot, unterschieden sich die einzelnen Lokomotiven in verschiedenen Details und wurden dementsprechend immer an den technischen Standard angeglichen.

Entsprachen sie anfangs noch relativ eng dem Baumuster einer preuß. T3 (wobei bereits von Anfang an die Heusinger-Steuerung Verwendung fand), wurde im Laufe der Zeit immer weiter davon abgewichen. Hierbei wurden zusätzliche Wasserkästen an den Kohlekästen angebracht, um den Wasservorrat von ursprünglich 4 auf 6 Kubikmeter vergrößern zu können. Die verwendeten Kesselbauformen und ihre Maße variierten je nach Baujahr. Technische Innovationen, die sich als Standard beim Lokomotivbau herauskristallisierten, flossen bei der Konstruktion ein. So wurde von dem noch bei den ersten beiden Loks (Fabr.-Nr. 6676 u. 6677) verwendeten zweischienig geführten Kreuzkopf mit zwei Gleitbahnen zu einem einschienig geführten Kreuzkopf (siehe Fabr.-Nr. 19248) übergegangen. Die Druckluftbremse (später zumeist Westinghouse oder Knorr) war anfangs nicht Standard (verwendet wurde die Wurfhebelbremse im Führerstand oder es war eine Heberleinbremse eingebaut), wodurch erst spätere Maschinen mit einer Luftpumpe und dem nötigen Bremssystem ausgerüstet wurden. Gemessen am Baujahr spiegelte jede Maschine zum Teil den Standard ihrer jeweiligen Entstehungszeit wieder, was zu keiner einheitlichen Bauform wie bei anderen Dampflokbaureihen führte. 1948 vereinheitlichte Henschel sein Typenprogramm, wodurch der Name "Bismarck" als Typenbezeichnung durch "C 400" ersetzt wurde. Hierbei wurden die Anpassungen und Modernisierungen der Jahre als neue Grundsätze für diesen Typ festgelegt.

Die Anzahl der gebauten Lokomotiven ist nicht genau bekannt, sie bewegt sich um etwa 90. Sie wurden an diverse deutsche Klein- und Privatbahnen, Betriebe sowie Zechen geliefert. Hier arbeiteten sie im leichten bis mittelschweren Nah- und Rangierverkehr sowie im Güter- und Personenverkehr. Durch ihre im Vergleich zu Altbauloks wie der preußischen T3 unveränderten Bedienung, bei gleichzeitiger Leistungssteigerung und technischer Vereinfachung etwa bei der Wartung, waren sie sehr beliebt und für ihre Robustheit bekannt. 1949 kamen in der Sowjetischen Besatzungszone insgesamt 16 der Lokomotiven von ehemaligen Klein- und Privatbahnen in den Bestand der Deutschen Reichsbahn.

Einerseits wegen ihrer vergleichsweise geringen Leistung bei relativ hohem Kohle und Wasserverbrauch, der zum einen durch die Bauart als Nassdampflok und die Einfachverwendung des Dampfes zustande kam, andererseits wegen des Voranschreitens der Verdieselung und Stilllegung des Rangier- und Nebenbahnverkehrs in den 1960er Jahren, kam es in dieser Zeit zu vermehrtem Verschrotten dieses Loktyps. Ihre individuelle Bauweise, wodurch wenig Vereinheitlichung bei der Wartung im Bezug auf andere Baureihen durchgeführt werden konnte, sorgte – gerade bei der Deutschen Reichsbahn – für ein vermehrtes Abstellen und Ausmustern. Einige Loks dieses Typs wurden und werden durch die Aufstellung als Denkmal oder die Übernahme durch Eisenbahnvereine, die diese aktiv betreiben, für die Nachwelt erhalten.

Lokdaten:

Anzahl: ca. 90

Hersteller: Henschel & Sohn, Kassel

Baujahr(e): 1904–1948

Achsformel: C

Bauart: C n2t

Gattung: Gt 33.10

Spurweite: 1435 mm (Normalspur)

Länge über Puffer: 8300 mm – 9200 mm

Höhe: 3.700 mm

Fester Radstand: 2.700 mm

Leermasse: 35 t

Dienstmasse: 42 t

Radsatzfahrmasse: 14 t

Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h – 45 km/h

Indizierte Leistung: 400–450 PS

Treibraddurchmesser: 1100 mm

Steuerungsart: Heusinger-Steuerung

Zylinderanzahl: 2

Zylinderdurchmesser: 430 mm

Kolbenhub: 550 mm

Kesselüberdruck: 13 bar

Anzahl der Heizrohre: 199

Rostfläche: 1,36 – 1,6 m²

Strahlungsheizfläche: 6,692 m²

Verdampfungsheizfläche: 55,67 – 83,058 m²

Wasservorrat: 4–6 m³

Brennstoffvorrat: 1,3–1,6 t

Lokbremse: Handklotzbremse und Druckluftbremse

Zugbremse: Druckluft

Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Hersfelder_Kreisbahn

Markus Schmitt, Michael Knauf: Die Hersfelder Kreisbahn, EK-Verlag, Freiburg 2001, ISBN 3-88255-445-2